Ein Jahrhundert Jugendarbeit

Siebter & letzter Teil der Vereinsgeschichte zum 100-jährigen Bestehen des Teisbacher Fussballclubs

Jugendarbeit im Sportverein heißt gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, den eigenen Nachwuchs sichern und bei den Jugendlichen den Gemeinschaftsinn fördern. Aus heutiger Sicht ist das selbstverständlich, bei Profivereinen ist die Nachwuchsförderung sogar eine Pflichtaufgabe. Doch vor 100 Jahren? Welche Begeisterung müssen die Bauernsöhne aus Schönbühl 1921 ausgelöst haben, um gleich bei der Gründung des FC Teisbach auch eine Jugendmannschaft aufstellen zu können und welcher Weitblick war dazu nötig? Die Ausübung dieses Sports sollte wohl nicht Ausdruck einer momentanen Laune sein! Aus dem Protokoll der Generalversammlung von 1923 geht hervor, dass Johann Strohmeier zum Jugendleiter gewählt wurde. Ihm sollten bis in die frühen 30er Jahre Johann Hölzl und Thomas Fischer folgen, ehe die vereinsmäßige Jugendarbeit ein jähes Ende fand. Die Nationalsozialisten beanspruchten mit der Hitlerjugend das Monopol auf die Ertüchtigung der Jugend.
Es war eine Befreiung mit und für den Sport, als sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Teisbach die Vereinsarbeit wieder möglich war.

Der spätere Vereinsvorstand Rolf Asbach vermittelte als Jugendleiter den Mannschaften ein großes Gefühl von Zusammengehörigkeit und die begeisterten Schüler- und Jugendspieler gewannen 1949 die Kreismeisterschaften. Bezeichnend für den großen Zusammenhalt dieser Mannschaften ist, dass die Spieler mit ihren Partnerinnen über 50 Jahre in organisierten Treffen Wiedersehen feierten. Heute sind aus beiden Mannschaften noch die Ehrenmitglieder Peter Petersen und Rudolf Hofmann am Vereinsgeschehen interessiert. Große Unterstützung fand Rolf Asbach in Franz Bardo als Schülerleiter, der 1956 die Verantwortung der Jugendarbeit übernahm und mehrere weitere Erfolge feiern konnte.

In den 1960er Jahren waren die Brüder Karl und Georg Wieselsberger die ersten, die als aktive Spieler und sportliche Vorbilder die erfolgreiche Jugendarbeit fortsetzten. Die Nachkriegsjugend spielte nun im Seniorenbereich und errang auch hier so manche Meisterschaft und Pokalsieg. Noch in den 1970er Jahren stand Georg Wieselsberger als Schülerleiter an der Seite des langjährigen Jugendleiters Reinhard Unger. Die Wichtigkeit der Jugendarbeit erkannte jeder Vereinsvorstand. So war es manchmal nötig, das Amt des Jugendleiters vorab zu besetzen um einen Bewerber für das Vorstandsamt zu gewinnen. Etliche Vorstände waren auch schon engagierte Jugendbetreuer.

In den 1980er Jahren erfuhr das Sportangebot für Kinder und Jugendliche, besonders auch für Mädchen, im FCT eine nicht geahnte Vielfalt. Die neugegründeten Sparten Gymnastik, Tischtennis und Tennis starteten gleich mit Jugendmannschaften bzw. Kinderturnen. Und auch im Fußball wurde mit der damals sogenannten Bambini-Mannschaft für 10 bis 12 Jährige eine eigene Jahrgangsstufe eingerichtet. Das Einstiegsalter wurde 1987 mit der Gründung der E- und F-Jugendmannschaften auf sechs Jahre gesengt. Und heutzutage spielen die Jüngsten schon im Vorschulalter in den G-Jugendmannschaften.
Waren bisher Training, Spiel und eine Weihnachtsfeier der Jahresablauf, so begann man nun die Attraktivität des Fußballsports für Kinder und Jugendliche nochmal zu erhöhen. Mit begleitende Aktionen wie Kinder- und Jugendprogramm an den Sportplatzfesten, Ausflüge und Abende am Lagerfeuer, später Zeltlager und heute regelrechte Jugend-Bildungswochenende stellte man sich den Anforderungen veränderter Zeiten und Erwartungen.

Ehrgeizige Ziele erreichte Jugendleiter Herbert Zankl und Trainer Johann Märkl in den 1990er Jahren mit mehreren Aufstiegen in Folge. Mit Alois Geiger, der 2001 die Verantwortung übernahm, kamen wesentliche Veränderungen in den Jugendbereich. Zum einen wurde die bis heute erfolgreiche Spielgemeinschaft mit der Spvvg. Loiching gegründet und stetig ausgebaut. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich seit Jahren auf den gesamten Fußball-Jugendbereich. Zum anderen konnte zur Entlastung der Eltern der erste Jugendbus angeschafft und mit Zuschüssen, Werbung und einem Vorzugspreis des Autohauses Zeissig finanziert werden. So nahm die Anzahl der Mannschaften nochmals zu und die Suche nach bereitwilligen und geeigneten Betreuern wurde schwieriger. Gut, dass Max Irrgang fast 20 Jahre lang Mannschaften betreute, für die sich zunächst kein Trainer fand. Als Belohnung oder Trost hatte Max zu jedem Spiel Gummibärchen dabei. 2007 erreichte die A-Jugend unter dem späteren Vorstand Siegfried Heber die Landkreismeisterschaft.

Ein sehr beachtliches Beispiel für den Erfolg der nachhaltigen Nachwuchsarbeit stellt die D-Jugend des Jahres 2010 (Geburtsjahrgänge 1997-99) dar. Sage und schreibe acht Spieler dieser Jugendmannschaft bilden heute, elf Jahre später, den Stamm der Ersten Seniorenmannschaft in der Bezirksliga. Eine vergleichbar gute Integration des eigenen Nachwuchses sucht man in dieser Liga sicher vergeblich.

Herausragend Erfolge in den letzten Jahren sind auch die Aufstiege der D-Jugend mit den Trainern Martin Fuchs und Daniel Müller und C-Jugend mit Klaus Heidobler und Thomas Biendl in die Bezirksoberliga. So ist die SG FC Teisbach/Spvvg. Loiching mit derzeit 13 Mannschaften eine der besten Adressen im Jugendfußball des Landkreises.

Große Erfolge im Tischtennis

Schon zwei Jahre nach Gründung der Tischtennis-Abteilung wurden im Jahr 1985 eine Jungenmannschaft und zwei Mädchenmannschaften angemeldet. Unter Jugendleiter Gerhard Ehler schaffte man es in sehr kurzer Zeit ca. 15 Jugendliche für den Mannschaftsport fit zu machen. Erstmals gelang im Jahr 1993 für ein Jahr sogar der Aufstieg in die Bezirksliga. In Mini-Meisterschaften, bei deinen Kinder und Jugendliche ohne Vorkenntnisse einfach an einem Tischtennis-Turnier teilnehmen konnten, entdeckte man Talente wie Felix Wölbl, Michael Neubert und Martin Eckart. Sie sollten mit Trainingsfleiß und ihrer Freundschaft untereinander noch Großes erreichen.

Unterstützt von Neuzugang Michael Altinger vom SC Adlkofen machten diese vier den FC Teisbach im Jahr 2001 in Bayern bekannt. Als Pokalsieger auf Kreis- und Bezirksebene durfte der FC Teisbach in Zell bei Würzburg als niederbayerischer Vertreter gegen andere Bezirkssieger antreten. Mit drei glatten Siegen sicherten sich die vier Teisbacher Akteure den Titel „Bayerischer Meister im Pokal“. Ab dem Jahr 2000 stieg die erste Jugendmannschaft von der 2. Kreisliga über 1. Kreisliga und Bezirksliga Niederbayern in die höchste Liga der Jugend überhaupt, die Bayernliga auf.

Als Glücksfall stellte sich der Wechsel von Joseph Sommer vom TSV Taufkirchen heraus, der für den verletzten Michael Altinger zum Einsatz kam. Felix Wölbl, Michael Neubert, Martin Eckart und Joseph Sommer schafften es im Jahr 2003 Bayerischer Vizemeister zu werden. Eine nie vergessene Saison, in der Gegner wie der FC Bayern München zu Gast waren. Und selbst die Münchner staunten nicht schlecht, als in Teisbach 80 Zuschauer ihr Team unterstützten, denn so eine Zuschauerkulisse gab es bei keiner anderen Bayernliga-Mannschaft. Altersbedingt musste die Bayernliga-Mannschaft dann abgemeldet werden. In dieser Zeit spielte aber auch bereits die zweite Jugendmannschaft in der höchsten Liga des Kreises, die in den Folgejahren durch weiterhin konsequente Jugendarbeit gehalten werden konnte. Eine kleine Zäsur gab es im Jahr 2014 als der letzte Jugendliche mit Bezirksliga-Niveau in die Herrenmannschaft integriert wurde. Seitdem mangelt es zwar nicht an trainingswilligen Jugendlichen, jedoch kommt man über die 2. Kreisliga nicht hinaus.

Seit 1994 ist Josef Deiler Jugendleiter und heute für ca. 20 aktiven Kinder und Jugendliche verantwortlich. Mittlerweile führen fünf geprüfte C-Trainer abwechselnd das Jugendtraining durch. Besonders erfreulich ist der Werdegang von Patrick Kadur. Durch eine Mini-Meisterschaft hat er im Jahr 2004 zum FC Teisbach gefunden. Mittlerweile spielt er sehr erfolgreich in der zweiten Herrenmannschaft in der Bezirksoberliga. Außerdem hat Patrick seit seinem zweiten Jugendjahr die Funktion als Mannschaftsführer übernommen, was er auch bei der Herrenmannschaft beibehalten hat. Zu guter Letzt hält er als geprüfter C-Trainer regelmäßig das Jugendtraining und soll als stellvertretender Jugendleiter einmal die Leitung übernehmen.

Tennis-Jugend wieder im Aufwind

Der beste Weg Sparte und Sportart wieder zu beleben ist die Kinder- und Jugendarbeit. Das haben die Verantwortlichen der Tennisabteilung in den letzten Jahren erkannt und umgesetzt. Beginnend mit Schnuppertrainings an der Grundschule Teisbach, den jährlichen Intensivtrainingswochen und den mittlerweile beliebten Vereinsmeisterschaften für die Kinder, konnten seitdem rund 40 Jungen und Mädchen als neue Mitglieder gewonnen werden. Begleitet von deren Eltern, von denen ebenfalls ein Teil wieder die Lust an diesem Sport gefunden hat, treten die Kinder mittlerweile in vier Altersklassen im Wettkampf an. Um die Kinder von Anfang an richtig für das Tennisspiel anzuleiten, konnte man vorübergehend zwei ausgebildete Trainerinnen gewinnen.

In 2019 wurde dann einem Vereinsmitglied eine Trainerausbildung ermöglicht. Von ihm wurde 2020 das Kindertraining übernommen. So können mittlerweile auch Trainingsstunden für Erwachsene angeboten werden. Da in 2021 die Anzahl der Kinder-Trainingsgruppen so hoch anstieg, war es notwendig, zusätzlich einen weiteren Trainer zu engagieren. Nach langem Suchen gelang es nun endlich eine Tennisschule zu finden, die ab Mitte des Jahres einen Teil der Trainingstunden übernehmen kann.

Jugendarbeit ist Teil der Vereinsidentität

Das Fehlen zahlungskräftiger Sponsoren für den Kauf fertiger Spieler muss also kein Nachteil sein, wie der FC Teisbach mit seinen Sparten eindrucksvoll beweist. Hier ist die Jugendarbeit, wie im Leitbild des Vereins verankert, wichtigster Garant für eine erfolgreiche Entwicklung. Auch wenn es im Sport nicht immer aufwärts gehen kann, sind alle Beteiligten, die Aktiven wie die vielen Betreuer und Verantwortlichen, zu Recht stolz auf diese Leistung.