„Es lebt hoch im Isartal …“

Die 1. Mannschaft zum 40-jährigen Jubiläum 1961 und Meistermannschaft 1962 mit den Vorständen Josef Seeberger und Matthias Sperka: Helmut Reitmaier, Adi Angerstorfer, Rudi Sperka, Georg Mühlbauer, Georg Wieselsberger, Hans Klimesch, Eberhard Mücke, Lorenz Veit, Werner Keil, Fred Giftthaler, Georg Fußeder

Serie „100 Jahre FC Teisbach e. V.“

Dritter Teil der Vereinsgeschichte zum 100-jährigen Bestehendes Fußballclubs Teisbach

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es erneut der FC Teisbach, der als einer der ersten Vereine in Niederbayern den Spielbetrieb wieder aufnahm. Gärtnermeister Sebastian Schmid und die lebende FCT-Legende Alois Lex waren die Vorstände bis 1950. In der ersten regulären Saison 1948 der Bezirksliga II Spielgruppe Isar errang man prompt den Meistertitel. Auch mit den Schüler- und Jugendmannschaften, betreut von Franz Bardo und Rolf Asbach, war der FCT in der Nachkriegszeit sehr erfolgreich. Der Jugendarbeit über das gesamte Vereinsjahrhundert wird noch ein eigener Beitrag gewidmet.

Obwohl es damals wirklich an Allem fehlte, gelang es mit viel Einfallsreichtum und Zusammenhalt die Fußballausrüstung für die Mannschaften zu organisieren. So arbeitete der Schuhmacher Georg Reiser alte Straßenschuhe zu fußballtaugliches Schuhwerk um. Ebenfalls reparierte er den zeitweise einzigen Spielball des Vereins immer wieder. Ähnlich wie der Teisbacher Fasching bei seinen Kostümen griff auch der FC auf Vorkriegsbestände bei der Sportkleidung zurück. Mit Bescheidenheit und sportlicher Begeisterung ging es immer wieder weiter. Heimatvertriebene, wie aus dem Sudetenland, fanden in Teisbach eine zweite Heimat und der Fußballsport war ein wesentlicher Integrationsfaktor. Heute würde man dieses gegenseitige Unterstützen eine Win-Win-Situation nennen. So engagieren sich beispielsweise Mitglieder und Nachkommen der Familie Sperka bereits über drei Generationen als Aktive und Funktionäre im Verein.

Zum Nachfolger des bereits erkrankten 1. Vorstands Alois Lex wurde 1950 Ludwig Meindl aus Schönbühl gewählt. Er sollte mit seiner sechsjährigen Vorstandszeit und fast fünf Jahrzehnte als Ehrenvorstand zur großen Persönlichkeit in der Vereinsgeschichte werden. So hat er Alois Lex kurz vor dessen Tod versprochen, zeitlebens persönlich dafür zu sorgen, dass „Teisbach stets einen Vorstand hat“. Dieses Versprechen hat Ludwig Meindl bis zu seinem Tod 2011 eingelöst. Eine große Stütze in den 1950er Jahren war Gründungsmitglied Bartl Reseneder, der als Kassier über 15 Jahre die Finanzen zusammenhielt, nachdem ihm 1947 eine leere Vereinskasse in die Hände gelegt wurde.

Beflügelt vom Gewinn der Weltmeisterschaft der Deutschen Nationalmannschaft 1954 wuchs auch in Teisbach die Fußballbegeisterung. Eine Mitgliederwerbeaktion unter dem neuen Vorstand Erich Bruckmoser aus Piegendorf brachte eine deutliche Erhöhung des Mitgliederstandes von 68 auf 127. Der Monatsbeitrag von 50 Pfennigen wurde von Frau Maria Winkler laufend einkassiert. Zusammen mit einer zweckgebundenen Toto-Ausschüttung des BFV von 2000,- DM konnte man mit viel Eigenleistung die Sanierung des Fußballplatzes angehen. So wurde der „Buckel“ am oberen Tor eingeebnet, das Spielfeld fast auf die Originalmaße erweitert sowie die Einzäunung an der Straßenseite errichtet. Eine Seilabsperrung sollte die Zuschauer bei übersteigerter Begeisterung vom Betreten des Spielfeldes abhalten, denn die Unterstützung der Mannschaft durch die Fans war schon damals groß. Man denke dabei nur an die Damen am Spielfeldrand, vor allem Maria Schmid, Centa Alt und Marianne Eckert. 1959 war man Stolz, das erste Flutlichtspiel durchführen zu können. Ein sportlicher Höhepunkt in den 50er Jahren war der Gewinn des Landratspokals in 1956.

Wurde 1951 das 30-jährige Jubiläum nach eher im kleinen Rahmen in der Huberbräu-Halle gefeiert, so richtete man 1961 das 40-jährige als großes Fest mit Pokalturnier aus. Frau Hedwig Lex stiftete den Erinnerungspokal. Selbst der tagelange Starkregen konnte die Feierlaune nicht trüben. Im und um das Festzelt wurden Abflussgräben gezogen. Festleiter Gemeinderat Ludwig Meindl und Bürgermeister Balthasar Heeg hielten die Festreden. Unter den ernannten Ehrenmitgliedern waren aufgrund ihrer großen Verdienste auch die Damen Hedwig Lex, Isabella Reseneder und Centa Alt. Das Endspiel des Turniers gewann der FC Teisbach vor 420 Zuschauern. Durch Geldspenden von Landrat Hastreiter und Ehrenbürgerin Frl. Oberlehrerin Josefine Schmidt kam man auch finanziell gut über die Runden.

Trotz der allgemein guten Situation des Vereins bedurfte es vier Anläufe um 1962 den neuen 1. Vorstand Georg Pavlik zu gewinnen. Prompt klappte es im selben Jahr mit der ersehnten Meisterschaft und dem Aufstieg in die B-Klasse unter dem konsequenten Trainer Michael Schmid. Torschützenkönig wurde Georg Mühlbauer mit 43 Treffern. Kein Wunder, dass Landesligavereine auf die Teisbacher Talente aufmerksam wurden. Öffentliche Veranstaltungen wie das alljährige Kegelturnier auf der Holzkegelbahn des Vereinslokals Bachmeier, die Turniere um den Wanderpokal der Marktgemeinde Teisbach und Weihnachtsfeiern mit Haussammlungen und Verlosungen galten in dieser Zeit als gesellschaftliche Ereignisse und dienten der Aufbesserung der Vereinskasse.

Nach dem Wiederabstieg in die C-Klasse begann dann 1966 unter den Trainern Bartl und Adi Angerstorfer die erste sportliche Glanzzeit nach dem 2. Weltkrieg. Hatte man im Entscheidungsspiel um den B-Klassenaufstieg gegen Großköllnbach mit einer schweren Verletzung von Torwart Helmut Hofmeier noch Pech, so wurde der FC nach der Rückkehr von Leistungsträgern 1967 klarer Meister. Mit dem neuen Trainer Edi Nalepa und einer guten Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern marschierte der FC in der Saison 1967/68 als souveräner Meister mit großen Vorsprung in die A-Klasse Landshut (heute Kreisliga) durch. Bei den häufigen Siegesfeiern im Clublokal Bachmeier erklang dann regelmäßig das Vereinslied „Es lebe hoch im Isartal der Fußballclub weiß-blau …“. Dem Kader in dieser Erfolgszeit gehörten folgende Spieler an: Werner Hähnel, Fred Giftthaler, Hans Bleichner, Werner Gangl, Heinz Rammelsberger, Hans Klimesch, Adi Angerstorfer, Elmar Manzinger, Georg Wieselsberger, Werner Brettl, Helmut Reitmaier, Hubert Schicker, Alfred Heublein, Heinz Auggenthaler, Rudi Sperka, Georg Mühlbauer, Peter Petersen, Helmut Fuchs, Lorenz Veit, Karl Gabler und Franz Forstner. Unter Vorstand Franz Strohmeier gehörte man der höchsten Spielklasse im Fußballkreis Landshut zwei Jahre an.

1969 trat Sebastian Schmid jun. in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm für drei Jahre das Vorstandsamt beim FC. Das 50-jährige Jubiläum wurde 1971 gut über die Bühne gebracht, wobei es aufgrund der Bayerischen Gebietsreform zu einem kleinen Kuriosum kam. Gleich zwei Bürgermeister, Balthasar Heeg von Teisbach und Heinz Heininger von Dingolfing, gaben sich die Ehre. Bis 1976 etablierte man sich in der B-Klasse mit Edi Nalepa und Rolf Asbach als Vorstände. In Eigenleistung wurde ein Geräte- und Umkleidehaus als Holzkonstruktion erstellt. Die Vergrößerung des Spielfelds auf die heutigen Maße 105 x 68 Meter wurde 1974 ebenfalls in Eigenleistung geschaffen. Beide Maßnahmen leitete der 2. Vorstand Georg Wieselsberger.

Das Vorstandsduo Helmut Krohn und Georg Mühlbauer markierte 1976 einen Generationswechsel und das Beschreiten neuer Wege. Mit dem großen Ziel des Baus eines Vereinsheims galt es zunächst einen Grundstock an Eigenkapital zu schaffen. Die Vermarktung der neu errichteten Bandenwerbung, Großveranstaltungen, Mitgliederwerbung und großzügigen Spenden vor allem von Schlossbesitzer Herrn Otto Hackinger erhöhten deutlich die vereinseigenen Finanzmittel. 1977 kamen mit dem Eintrag in das Vereinsregister als gemeinnütziger Verein und die Angleichung der Mitgliedsbeiträge auf die vorgeschriebene Höhe zur Erreichung der Förderfähigkeit durch den BLSV wichtige Voraussetzungen für das große Vorhaben hinzu. Von Vorstand Krohn war es eine beachtliche Leistung die ca. 200 Mitglieder auf diesem Kurs zu halten, denn nicht jedes Mitglied war sofort begeistert über das Abverlangte. Waren doch zum Erreichen des Vereinsheims neben der Beitragserhöhung noch ungezählte Arbeitseinsätze als Gegenleistung bei den Baumaßnahmen von Herrn Hackinger im Teisbacher Schloss und dann auf der vereinseigenen Baustelle absehbar.

Der nächste Beitrag zur 100-jährigen Vereinsgeschichte des FC Teisbach in der Heimatzeitung behandelt die Entwicklung vom reinen Fußballclub zum Mehrsparten-Sportverein, den Sportheimbau und den Ausbau der vereinseigenen Anlagen als Investitionen für die Zukunft.