Fußball in Zeiten von Entbehrung, Inflation und Gleichschaltung

Zweiter Teil der Vereinsgeschichte zum 100jährigen Bestehen des FC Teisbach

Teisbach. Nach der Beschreibung der Gründung im Februar 1921 beleuchtet der zweite Bericht in der Heimatzeitung schlaglichtartig die Geschichte des weiß-blauen Traditionsvereins bis zum Zweiten Weltkrieg.

In den frühen 20er Jahren hatte der FC Teisbach mit großen Geldsorgen zu kämpfen. Trotz des stattlichen Monatsbeitrages von 10 Mark für Senioren und 5 Mark für Jugendspieler und der Eintrittsgelder reichte es hinten und vorne nicht um die Ausgaben zu decken. Zumal mit dem Umzug auf die rechte Isarseite die Höfener Getreidespeicher, um dort einmal einen halben Sack Weizen zu ergattern, noch unerreichbarer geworden waren. Um die Vereinskasse aufzubessern und die Disziplin zu steigern wurde im Inflationsjahr 1923 ein Strafkodex erlassen. Rauchen und Biertrinken vor dem Spiel und unentschuldigtes Fernbleiben sowie Kartenspiel und andere Umtriebe während den Versammlungen wurde unter Strafe gestellt. Das Strafmaß von 500 Mark bzw. 1000 Mark im Wiederholungsfall entsprach bei seiner Einführung dem Gegenwert von einem halben bzw. ganzen Liter Bier. Die Geldbeträge wuchsen allerdings in astronomische Höhen. Zur Verdeutlichung der horrenden Geldentwertung hier Auszüge aus der Vereinschronik: Von den 21 Wettspielen der 1. Mannschaft wurden 13 auf auswärtigen Plätzen bestritten, darunter Fahrten nach Moosburg und Zwiesel. Dazu wurden folgende Fahrtentschädigungen registriert, wobei nach den Recherchen anzunehmen ist, dass die Heimvereine die Entschädigung zu zahlen hatten. Für die Heimvereine ein „Draufzahlgeschäft“, wie am 17. Juni für den Arbeiterverein Zwiesel mit 73.000 Mark. Für die Fahrt nach Landau am 7. Oktober waren 180 Millionen Mark fällig und am 21. Oktober nach Moosburg gipfelte die Entschädigung auf 6 Milliarden Mark. Das Geld war aber am nächsten Tag schon nichts mehr wert. Im November 1923 wurde mit der Währungsreform die Rentenmark als neue Reichswährung eingeführt. Der Umtauschkurs lag bei 1 : 1 Billion. Tröstlich hierbei war, dass kein Vereinsvermögen verloren ging, da keines vorhanden war. Mit Theateraufführungen und Christbaumversteigerungen hielt man sich bei „ neuem Geld“ finanziell über Wasser. Ein bis dahin höchster Stand von 105 Mitgliedern wurde 1924 erreicht.

Ein herausragendes sportliches Ereignis in den 1920er Jahren war der Gewinn des Graf-Arco-Pokals im Jahre 1925 in Eichendorf. In der mehrtägigen Siegesfeier gelang dem Teisbacher Spielleiter Thomas Fischer nach der fußballerischen Hochleistung ein weiterer Rekord. Er trank den mit 3,5 Liter Bier gefüllten Pokal in einem Zuge aus. Dieser Pokal ist heute noch das Prunkstück in der Pokalvitrine und wird bei Feiern großer Erfolge auch gefüllt. Eine Nachahmung des Rekords von 1925 wird allerdings nicht empfohlen.
Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre war man sportlich durchaus erfolgreich und spielte in der damaligen Kreisliga gegen namhafte Gegner aus ganz Niederbayern. Im Jahr 1930 wurde Alois Lex, der spätere Ehrenvorstand des Vereins, erstmals zum Vorstand gewählt. Gründungsvorstand Josef Weich wurde zum ersten Ehrenvorstand ernannt. Mit wachsender Begeisterung für den Fußballsport wurden zu den Auswärtsspielen für Spieler und Zuschauer die am Ort verfügbaren Fahrzeuge eingesetzt. Die Unternehmer Ludwig Hofmeier, Sebastian Schmid und der Viehhändler Georg Auggenthaler unternahmen mit ihren Zugmaschinen und Anhängern so manche abenteuerliche Reise, bis hin zum Besuch des Oktoberfestes in München im Viehwagen.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand am 29. Juli 1933 eine außerordentliche Generalversammlung statt. Der einzige Tagesordnungspunkt lautete: Gleichschaltung. Der am 11. März wiedergewählte Vorstand Alois Lex musste mit seiner Vorstandschaft zurück treten. Der SA-Truppenführer Johann Hildegard übernahm die Versammlungsleitung. Einstimmig wurde dann Alois Lex zum „Führer“ gewählt, der anschließend seinen Vertreter Anton Heidobler, den Schriftführer Ludwig Hofer, den Kassier Josef Bernwinkler und die Beisitzer Josef Harrer und Bartl Reseneder bestimmte. Von diesem Zeitpunkt an galt auch beim FC Teisbach zwangsweise das Führerprinzip und die Verordnungen des NS-Regimes für den Fußballsport, was bedeutete, dass jedes Mitglied seine arische Abstammung aufweisen musste. Es bestand die Pflicht „Sportgroschen“ zu 5 Pfg/St. zugunsten des Hilfsfonds für den Deutschen Sport und der Winterhilfe zu verkaufen und die Einnahmen abzuliefern. Die Vielzahl der Reglementierungen und die Gesamtumstände führten zu einem Rückgang der Aktivitäten und bei einem Monatsbeitrag von 30 Pfennigen zu einem Tiefstand von nur noch 24 eingetragenen Mitgliedern. Hedwig Lex, Gattin des 1. Vostands, versuchte die Geldsorgen wieder durch Theateraufführungen zu lindern.
Eine ganz persönliche Art des Widerstands gegen die örtlichen Vertreter des Nazi-Regimes leistete der spätere Vorstand und Ehrenvorstand Ludwig Meindl. Als niederbayerischer Geländelaufmeister der Junioren nahm er die Herausforderung zu einen Wettlauf an, gegen eine Staffel bestehend aus vier SA-Leuten viermal die Strecke von Teisbach nach Oberteisbach und zurück zu laufen. Von den Gegnern hatte jeder Läufer diese Strecke nur einmal zu laufen. Mit deutlichem Vorsprung gewann Ludwig Meindl nicht nur dieses Rennen sondern auch die Sympathien der Zuschauer.
Zunehmend wurden Spieler zu Arbeitsdienst und Wehrmacht eingezogen. Dennoch errang man 1936 die Meisterschaft in der Gauliga XVI West und 1938 als Tabellenzweiter hinter Rottenburg einen weiteren Erfolg. 1937 konnte man sich in der Kreisklasse nicht behaupten. Das Freundschaftsspiel in Ergoldsbach am 20. August 1939 war dann das letzte Spiel vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Spielbetrieb wurde während des Krieges eingestellt. Dem Wahnsinn des Krieges fielen auch einige Teisbacher Fußballer zum Opfer und kehrten nicht wieder heim.
Im dritten Beitrag in der Heimatzeitung zum Jubiläumjahr des FC Teisbach wird es hauptsächlich um den Wiederbeginn, die Nachkriegszeit und die sportlichen „Glanzzeit“ Ende der 1960er Jahre gehen.